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  • News Oktober 2016

     

    "Watt is denn da los" - Unterwegs an der Nordseeküste

     

    Immer wieder der Geheimtipp, wenn es im Inland mit der Tierwelt ruhig wird: Auf geht's an die Küste! Eine raue Briese um die Ohren lüftet den Kopf, die Natur faszieniert den Ornithologen mit seiner Vielfalt und streichelt seine Seele.

     

       Weißwangengans (Branta leucopsis), barnacle goose, valkoposkihanhi

    Weißwangengans (Branta leucopsis)

     

      Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta), pied avocet, avosetti Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta)

     

     

    Säbelschnäbler mit ihrem schwarzweißen Gefieder zählen zu den auffallendsten Limikolen im Wattenmeer der Nordsee. Der 45 cm große Vogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 80 Zentimetern ernährt sich vorwiegend von Insekten, Larven, Würmern, Muscheln, Schnecken und kleinen Krebstieren, die er im Flachwasser erbeutet.

     


    Die Eiderentenmännchen kann man bereits wieder im Prachtkleid bewundern. Ihre Daunen, die bis heute noch auf Island kommerziell geerntet werden, gelten als besonders wärmedämmend. Hierbei geht der Mensch eine beispielhafte Symbiose mit der Tierwelt ein. Dafür das er ein Teil der Federn vom Nest nimmt, beschützt er die Vögel vor Nesträubern.

     

     

     Eiderente (Somateria mollissima), common eider, haahka  Eiderente (Somateria mollissima)

     

    Wiesenpieper (Anthus pratensis), meadow pipit, niitykirvinen   Wiesenpieper (Anthus pratensis)

     

    Der Wiesenpieper, einst ein Vogel den man häufig antreffen konnte, musste in diesem Jahr auf der Roten Liste von der Vorwarnstufe auf "stark gefährdet" gesetzt werden. Die immer größere Profitgier beim Anbau der Energiepflanzen lässt nicht nur die Habitate vom Wiesenpieper dahinschmelzen. Wir brauchen dringend ein Umdenken in der Landwirtschaft und Energiepolitik, wenn wir uns nicht von vielen Arten für immer verabschieden wollen.

     

    Löffelenten stellen mit ihrem imposanten löffelartigen Schnabel immer eine Besonderheit unter den Enten dar.
    Sie durchsieben das Wasser nach Plankton, Wasserflöhen, Insektenlarven, Kaulquappen und Laich. Dabei sammeln sie die Nahrung mit dem Schnabel und filtern das Wasser seitwärts durch Ihre kammartigen Lamellen wieder aus.

      

     

     

    Löffelente (Anas clypeata), northern shoveller, lapasorsa   Löffelente (Anas clypeata)

    Löffler, Löffelreiher (Platalea leucorodia), eurasian spoonbill, kapustahaikara Löffler, Löffelreiher (Platalea leucorodia)

     

    Die Löffler, auch Löffelreiher gennant, sind etwas kleiner als Graureiher und gern in kleinen Gruppen unterwegs. Da überrascht es nicht, dass auch sie Brutkolonien bilden. Löffler haben eine Vorliebe für ausgedehnte flache Feuchtgebiete mit Schlamm, Lehm oder feinen Sand. Genau wie bei der Löffelente macht ihr Schnabel sie unverwechselbar, selbst im Flug.

     

     

     

    Große Schwärme von Kiebitzen kann man in dieser Jahreszeit sowohl im Watt as auch an den angrenzenden Wiesen schön beobachten. Von den 46 wichtigsten Rastplätze in Westeuropa findet man allein in Deutschland 22. Der Kiebitz gehört in Deutschland zu den geschützten Arten. Auch er leidet unter dem ständigen Verlust von Habitaten, es gibt leider nicht mehr genug Bruterfolge, um den Bestand zu erhalten.

     

    Kiebitz (Vanellus vanellus), northern lapwing, öyhtöhyyppä Kiebitz (Vanellus vanellus)

     

    Bekassine (Gallinago gallinago), common snipe, taivaanvuohi Bekassine (Gallinago gallinago)

     

     

    Vor allem Einsteiger haben oft große Mühe Bekassinen im dichten Grass oder Schilfgürtel ohne Hilfe zu finden. Die gut getarnten Schnepfenvögel, die elegant und unauffällig ihr Habitat durchstreifen, können gefühlt unendlich lange auf einer Position verharren. Für uns als Fotografen stellen die Bekassinen immer eine besondere Herausforderung dar, weil in 95% der Fälle beim genauen betrachten ein Gras oder Schilfhalm das perfekte Foto verhindert.

     Es ist wieder so weit: Tausende Goldregenpfeifer auf dem Zug treffen auf unsere Küsten. Für uns ist die Ankunft jedes Jahr aufs neue ein Höhepunkt im Vogeljahr. Wenn, wie auf dem rechten Foto zu sehen, mehrere tausend Vögel in der Luft kreisen und sich das Sonnenlicht in ihrem Gefieder reflektiert, erstraht der Himmel golden.

     

    Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria), European golden plover, kapustarinta Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria)

     

    Hausschaf (Ovis orientalis aries) Star (Sturnus vulgaris)Hausschaf (Ovis orientalis aries) Star (Sturnus vulgaris)

     

     

    Eine gute Ausicht ist in jedem Fall Grund genug auch mal ungewöhnliche Plätze aufzusuchen. Das möchten wir auch unseren Lesern empfehlen, also einfach mal im Herbst an die Küsten fahren und mit dem Fahrad den Deich entlang radeln. Man wird mit Fitness und einer riesen Portion Beobachtungen belohnt.

     Zu guter letzt, die Seele - sie wird gestreichelt.   Hausschaf (Ovis orientalis aries) Hausschaf (Ovis orientalis aries)

    Da eine ganze Menge Anfragen zum gleichen Thema bei uns eingehen, hier noch einmal für alle Interessenten.

    Ja, wir bieten natürlich jahreszeitlich spezifisch, geführte Fototouren und Beobachtungstouren an. Von Tagestouren bis zu Wochentouren mit Verpflegung und Unterkunft. Einfach mit uns Kontakt aufnehmen.

    Spannende Beobachtungen wünscht euch das naturfoto.international-Team!

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  • News Juli 2016

     

    "Seit 150 Millionen Jahren beinah unverändert unterwegs"

     

    Geräuschlos gleiten und schweben sie durch ihre Welt, die wahren Akrobaten der Lüfte. Jeder kennt sie, und doch wissen die Wenigsten von ihrer Vielfältigkeit und Schönheit. Für uns eine gute Gelegenheit zu dieser Jahreszeit etwas genauer hinzuschauen und den weltweit 5680 Arten einen News-Artikel zu widmen.

     

       Vierfleck (Libellula quadrimaculata)

    Vierfleck (Libellula quadrimaculata)

     

     

    Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)   Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)

     

     

    Die Prachtlibelle bewohnt langsam fließende Bäche, kleinere krautreiche Flüsse und Kanäle, und ist eine häufig anzutreffende Art. Im Gegensatz zu den Männchen sind die Weibchen farblich eher schlicht und zeigen sich in einem grün bis bronzefarbenen Ton. Sie zählen mit ihrer Flügelspannweite von 6-7 cm und einer Körperläge von 5 cm zu den Kleinlibellen. Von unseren 80 heimischen Arten sind 2/3 gefährdet und die erschreckende Anzahl von 20% vom Aussterben bedroht. Das ist insbesondere eine Folge der Verschmutzung und Trockenlegung von Gewässern.

     


    Die Heidelibelle aus der Familie der Segellibellen zählt  bereits zu den Großlibellen. Die Blutrote Heidelibelle ist recht anspruchslos und besiedelt nahezu jedes stehende und langsam fließende Gewässer. Sie besteht wie alle Insekten aus drei Bereichen: Kopf, Brust, und dem Hinterleib, der gleichzeitig als Flugstabilisator dient. Die riesigen kugelförmigen Augen ermöglichen allen Libellen einen fast vollständigen Rundumblick.

     

     

     Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)  Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)

     

    Paarungsring    Paarungsring

     

    Die Fortpflanzung der Libellen ist eine komplexe Angelegenheit und sehr spannend zu beobachten. Allen Libellen gemeinsam ist dabei die Bildung des bekannten Paarungsrades. Bei manchen Libellenarten bleibt das Männchen nach der Paarung noch in der Nähe des Weibchens und begleitet es anschließend zur Eiablage. Die Eier werden dann in Pflanzengewebe eingestochen oder aus dem Flug abgeworfen bzw. an der Wasseroberfläche abgestreift. Einige Arten wie die Prachtlibelle gehen zur Eiablage auf Tauchstation, dabei können sie erstaunliche 90 min unter Wasser verbringen. Auch die räuberisch lebenden Larven können Rekorde verzeichnen. Ihr Larvenstadium kann von 3 Monaten bis zu 5 Jahren andauern.

     

    Libellen sind Räuber die im Flug jagen, zum Ergreifen der Beute nutzen sie Ihre Beine. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Insekten. Nach erfolgter Jagt setzen sich Libellen gerne zur Ruhe um die Nahrung zu verspeisen. Wir konnten das bei einer Heidelibelle, die von Juli bis November fliegt, im Foto festhalten. Eine Besonderheit der Heidelibelle sind ihre äußerst robusten Eier, ihnen kann weder Frost noch Austrocknung von Gewässern Schaden zufügen. Das erklärt eventuell auch ihr großes Verbreitungsgebiet, was sich von Skandinavien über Sibirien und China bis hin nach Japan erstreckt.

      

     

     

    Gemeinen Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)   Gemeinen Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)

    Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

     

     

    Die Gemeine Becherjungfer besiedelt nahezu alle still und langsam fließenden Gewässer. Dort ist die 3 cm lange Libelle mit Ihrer Flügelspannweite von 4 cm von Mai bis September anzutreffen. Ihre im Makrobereich oft schillernden Farben täuschen, denn nur dem geübten Beobachter gelingt es, die große Vielfalt an Libellen in Gras oder Schilf auszumachen. Es lohnt sich also beim nächsten Spaziergang im Wald oder in der Nähe von Gewässern einfach mal etwas genauer hinzuschauen. Man wird mit einer enormen Arten-und Farbenvielfalt belohnt.

     

     

     

    Spannende Beobachtungen wünscht euch das naturfoto.international-Team!

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  • News Juni 2016

     

    "Überall die selben Fragen"

     

    Das Thema Migranten beschäftigt unsere Gesellschaft wie kein anderes in unserer Zeit. Auch wir als Naturfotografen kommen an diesem Thema scheinbar nicht vorbei, denn unserer unmittelbare Umgebung wurde Schauplatz der Geschichte. Abgesehen von Zugvögeln, die ohne Rücksicht auf Eingeborene die schönsten Plätze in unserem Land besetzen, hat sich in unserer Umgebung ein Nilganspärchen, Nandus und ein Melopsittacus undulatus, bei den meisten Tierfreunden besser als Wellensittich bekannt, eingenistet.

     

       Wellensittich (Melopsittacus undulatus), budgerigar, undulaatti

    Wellensittich (Melopsittacus undulatus)

     

     

    Türkentaube (Streptopelia decaocto), eurasian collared dove, turkinkyyhky  Türkentaube (Streptopelia decaocto)

     

     

    Die Türkentaube (Streptopelia decaocto) ist erst ab den 1930er Jahren aus Südost- nach Mittel- und später auch Nordeuropa eingewandert, in Wales wurde 1966 die erste Brut nachgewiesen. Sie erweist sich auf unserem Futterplatz eher als schüchtern und freundlich und versteht sich gut mit unseren Standvögeln. Glücklicher Weise hat bei dieser Geschichte Erdogan mal nicht die Finger im Spiel.

     


    Die Nilgans (Alopochen aegyptiacus) ausgehend von Gefangenschaftsflüchtlingen breitet sich erst seit den letzten Jahrzenten in Europa aus. Die ursprünglich aus Afrika stammenden Vögel, die dort in Savannensümpfen und Flussläufen beheimatet sind, ernähren sich bei uns hauptsächlich von Gräsern und Getreide. Da sie gerne einen fremden Horst für die Brut übernehmen - zum Beispiel vom Storch oder Milan - gelten diese Tiere als äußerst umstritten. Auch ihr Revierverhalten, das während der Brutzeit streng territorial keine anderen Entenvögel duldet, spricht nicht für eine gelungene Integration.

     

     

     

    Nilgans (Alopochen aegyptiacus), egyptian goose, afrikanhanhi Nilgans (Alopochen aegyptiacus)

    Nandu (Rhea americana),  greater rhea, nandu   Nandu (Rhea americana)

     

    Dann sind da noch die Nandus. Die flugunfähigen Vögel, die ebenfalls Gefangenschaftsflüchtlinge sind, haben in Mecklenburg eine freilebende Population aufgebaut. Die ca. 120 Tiere zählende Gruppe breitet sich nach und nach immer östlicher aus. Sie haben sich recht gut integriert, da sie z.B. im Gegensatz zu Gänsen und Kranichen an trockenen Standorten brüten (keine Konkurrenz). Auch bei der Nahrungsaufnahme gibt es kein Problem. Man sieht alle Arten auf abgeernteten Maisfeldern Seite an Seite. Da sich Nandus über längere Strecken bewegen, entstehen für die Landwirtschaft nur geringe Schäden.

     

    Da sind wir noch einmal bei unserem Wellensittich: Er hat unserem Garten eine tolle neue Farbe beschert, integriert sich voll am Futterbrett und kommuniziert mit all unseren Singvögeln. Ist ein tolles Fotomotiv, liebt Hirse genauso wie Sonnenblumenkerne, fängt gemeinsam mit dem Gartenrotschwanz Insekten und singt in unserem Apfelbaum. Seine anfänglichen Flugschwächen hat er innerhalb einer Woche ausgeglichen und den offenen Vogelkäfig, den wir für den Notfall aufgehängt haben, abgelehnt - und wie es scheint genießt er seine Freiheit.

      

     

     

    Wellensittich (Melopsittacus undulatus), budgerigar, undulaatti  Wellensittich (Melopsittacus undulatus)

    Wellensittich (Melopsittacus undulatus), budgerigar, undulaattiWellensittich (Melopsittacus undulatus)

     

     

    Migration ist wirklich kein einfaches Thema. Ist es Zeit die Nilgans abzuschaffen? Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Tiere überhaupt in Europa angekommen sind? Ist der Nandu Schuld, dass er versehentlich den Weg in die Freiheit zurückgewonnen hat? Hat der Wellensittich sich gewünscht, fern ab von seiner australischen Heimat in einen Vogelkäfig eingesperrt zu werden? Oder sollten wir uns lieber mal die Frage stellen, ob wir weiter Raubbau auf unserem Planeten betreiben, der mehr und mehr sowohl aus dem gesellschaftlichen als auch natürlichen Gleichgewicht gerät? Eine Chance ist wegzugucken und zu hoffen, dass mit ein bisschen mehr Erderwärmung auch in Deutschland endlich Bananen wachsen, und zu glauben, dass alle Migranten selbst schuld sind an ihrem Schicksal. Eine zweite Möglichkeit entstände, wenn man Menschen und Tieren nicht den Lebensraum vor Ort nehmen würde. Dann nämlich kämen nur Individuen, die nicht aus purer Not handeln, sondern hier leben wollen. Und nur dann macht Migration das Leben bunter und vielfältiger auf beiden Seiten.

     

     

     

    Spannende Beobachtungen wünscht euch das naturfoto.international-Team!

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  • News Mai 2016

     

    Dorfsafari

     

    Jeder Fotograf träumt von der großen weiten Welt: Pinguine in der Antarktis, Eisbären am Nordpol, oder eine Safari in Afrika, die Big Five inkusive. Wir haben in diesem Monat einfach mal eine Dorfsafari gemacht, Radius 2 km, und sind auf erstaunliche Motive gestoßen.

     

       Zilpzalp (Phylloscopus collybita), common chiffchaff, Tiltaltti

    Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

     

     

    Weißstorch (Ciconia ciconia), white stork, kattohaikara Weißstorch (Ciconia ciconia)

     

     

    Der Weißstorch, einer unserer Glücksbringer im Frühjahr, ist bereits am Brüten. Mit seinen 1,10 m ist er etwas größer als der Graureiher und seine Flügelspannweite beträgt ca. 2,20 m. Dass der Storch die Babys bringt, ist allerdings weiterhin eine Legende. Richtig aber ist, dass der Storch mit seinem freizügigen Sexualleben - Störche paaren sich zum Teil mehrmals in der Stunde - als Fruchtbarkeitssymbol durch alle Zeiten galt; wer weiß welcher Erdenbürger sich beim Beobachten ganz einfach inspirieren ließ. Wir lassen ruhig mal die Illusion gelten, dass Herr Adebar etwas mit den Kindern zu tun hat.

     


     Zu unserem Erstaunen hat sich die Brandgans - einer der farbenfrohsten Wasservögel - bereits das zweite Jahr hintereinander zum Brüten bei uns eingefunden. Eigentlich hält sie sich im Wesentlichen an der Meeresküste auf, dringt aber auf der Suche nach geeigneten Bruthöhlen gelegentlich, wie in userem Fall, auch mal ins Landesinnere vor. Die Bruthöhle darf dann auch mal ein bewohnter Fuchsbau sein. Fuchs und Brandgans verstehen sich im Übrigen deshalb im Fuchsbau so gut, weil der Fuchs dort eine Beißhemmung zum Schutz seines eigenen Nachwuchses hat. Er wird erst zum Feind, wenn die jungen Gänse den Bau verlassen.

     

     

     

    Brandgans (Tadorna tadorna), common shelduck, ristisorsaBrandgans (Tadorna tadorna)

    Seeadler (Haliaeetus albicilla), white-tailed eagle, merikotka Seeadler (Haliaeetus albicilla)

     

    Zugegebener weise gehört das Foto nicht zu den best of -Bildern eines Seeadlers, und ist nur aus Dokumentationsgründen auf unserer Seite gelandet. Mit einer eine Körperlänge von 74 bis 92 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 1,93 bis 2,40 m gehören Seeadler zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Zum Glück erholt sich die Population in unserer Gegend ganz gut. So konnten wir bereits in diesem Jahr 2 Brutpaare beobachten. Der Seeadler, der sich vornehmlich von Wasservögeln und Aas ernährt, leidet vor allem unter Bleimunition, die durch angeschossenes und verendetes Wild in seine Nahrungskette gelangt. Wir mussten vor 2 Jahren mit ansehen, wie ein beinahe ausgewachsener Jungvogel aus diesem Grunde im Nest verstarb. Es wäre wünschenswert, wenn die Jäger endlich auf bereits vorhandene Alternativmunition umsteigen würden.

     

    Der Zunderschwamm befällt geschwächte Laubbäume, vor allem Buchen und Birken. Die mehrjährigen Gebilde können im Durchmesser bis zu 30 cm erreichen -  eindeutig ein Vertreter der Big Five unter den Pilzen. Seinen Namen erhielt der Heilpilz, weil man aus ihm den wertvollen Zunder hergestellt hat. Bereits Ötzi nutzte das leicht Brennbare Material, das mit wenigen Funken zum Glimmen gebracht werden konnte. Durch Filzen kann man aus dem Pilz auch Kleidungsstücke und Taschen herstellen. Bereits Hippokrates wusste um die heilenden Kräfte des Zunderschwamms. Alte Arzneibücher weisen auch auf die blutstillende Wirkung des holzigen Gesellen hin.

      

     

     

    Zunderschwamm (Fomes fomentarius), tinder fungus, taulakääpä Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

     Graureiher (Ardea cinerea), grey heron, harmaahaikaraGraureiher (Ardea cinerea)

     

     

    Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht einen Graureiher beim Fischen beobachten. Die bis zu 1 m hohen Tiere mit einer Flügelspannweite von knapp 2 m haben ebenfalls bereits mit dem Brutgeschäft begonnen. Graureiher, die gern auch in Brutkolonien leben, bauen ihre Nester in Baumwipfeln. Nistplätze im Schilf sind dagegen ehr die Ausnahme. Der Majestätische Vogel, der ein Alter von 35 Jahren erreichen kann, sucht seine Nahrung bis zu 40 km von den Brutkolonien entfernt.

     

     

     

     

    Der Grünspecht, Vogel des Jahres 2014, steht vor allem durch den Verlust geeigneter Lebensräume in Form von offenen und strukturreichen Grünlandflächen und Obstwiesen in unserer Region zunehmend unter Druck. Der standorttreue Vogel ernährt sich vornehmlich von Ameisen. Er kann seine lange Zunge, die an der Spitze ein klebriges Sekret ausscheidet, bis zu 10 cm über die Schnabelspitze vorschnellen lassen, um seine Hauptnahrung Ameisen und deren Puppen aus dem Boden zu holen. Als Nistplatz benutzt er in der Regel verlassene Spechthöhlen.

     

     

     

    Grünspecht (Picus viridis), european green woodpecker, vihertikkaGrünspecht (Picus viridis)

    Kranich (Grus grus), common crane, kurkiKranich (Grus grus)

     

    Da bleibt noch unser Lieblingsthema, der Kranich - mit Sicherheit einer der Big Five in Mecklenburg. Unser Hauptmonitoringsgebiet, dass wir für Kranichschutz Deutschland betreuen, ist auf Grund intensiver Forstwirtschaft (Holzen während der Brutzeit) von 90% der Paare verlassen worden - die Kraniche hatten zum Teil bereits Nester gebaut. Ein trauriges Beispiel für die unersättliche Gier nach Profit und Effizienz des Menschen. Es ist schade, dass selbst das staatliche Forstamt hier nicht mit gutem Beispiel voran geht. Aber es gibt auch Grund zum Feiern, denn ein Kranichpaar brütet in unmittelbarer Nähe unserer Gemeinde Vitense. Wir wünschen diesem Paar ganz viel Glück für das Gelingen der Brut.

     

     

    Unsere größte Überraschung während der eintägigen Safari war allerdings ein Nandupärchen, denn wir machten eine Erstsichtung in unserer unmittelbaren Umgebung. Die flugunfähigen Vögel sind aus einem Gehege bei Groß Grönau ca. 1990 ausgebrochen. Sie haben in Mecklenburg eine freilebende Population aufgebaut, die sich nach und nach immer östlicher ausbreitet. Die 1,20 bis 1,40 Metern (Rückenhöhe etwa 1 Meter) großen Nandus mit einem Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm sind damit wohl die größten Vögel der „Neuen Welt“. Da hätten wir unsere Big Five zusammen - und das bei einer ganz normalen Dorfsafari.

     

    Nandu (Rhea americana),  greater rhea, nanduNandu (Rhea americana)

     

     

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  • News April 2016

     

    Frühling im Wald

     

    In den Frühlingsmonaten bleibt wenig Zeit zur Berichterstattung, denn wir sind permanent beschäftigt mit Brutplatzmonitoring, Vogelzählungen und Fotografie. Eine Jahreszeit, in der die Naturfreunde und -Fotografen nicht zur Ruhe kommen.

     

       Reh (Capreolus capreolus), roe deer, metsäkauris

    Reh (Capreolus capreolus)

     

     Rotkehlchen (Erithacus rubecula), robin, punarinta Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

     

     

    Anfang April kommt wieder Leben in den Wald. Zahlreiche Meisen, Rotkehlchen, Zaunkönig und Zilpzalp versuchen sich gegenseitig mit ihren Gesängen zu übertönen.

     


    Auch die Kranichpaare begeben sich von umliegenden Feldern in den Laubwald und suchen ihre Brutplätze im Dickicht der Erlenbrüche, die auch ein beliebter Brutplatz für Graugänse sind. Manche Gänse brüten bereits seit Mitte März. Man kann nur hoffen, dass aus forstliche Sicht Rücksicht auf das Brutgeschehen genommen wird – was selbst im Gebiet des Biosphärenreservats leider nicht immer der Fall ist.

     

     

    Kranich (Grus grus), common crane, kurki    Kranich (Grus grus)

    Graugans (Anser anser), greylag goose, merihanhi    Graugans (Anser anser)

     

     

     

     

    Brütende Graugans im Erlenbruch

     

     

     

     

    Zilpzalp in der blühenden Weide

      

     

     

    Zilpzalp (Phylloscopus collybita), common chiffchaff, Tiltaltti  Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

    Wildschwein (Sus scrofa), wild boar,villisika   Wildschwein (Sus scrofa)

     

     

     

     

    Ungewollte und nicht ganz ungefährliche Begegnung beim Brutplatzmonitoring. Ruhende Wildschweinrotte im Weidenbruch.

     

     
     

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